Mit Kommissar Dupin durch den Süden der Bretagne – meine Reiseroute Teil I

Mit Kommissar Dupin durch den Süden der Bretagne

„Warum ist mir dieser Ort nicht schon viel früher aufgefallen?“ – frage ich mich am weiten Sandstrand von Pont-Mahé bei Assérac. Warum neigen wir Reisenden immer dazu, nach den entferntesten Küsten und exotischsten Inseln zu suchen, wenn die wahren Paradiese gerade einmal in zwei Flugstunden von Deutschland aus zu erreichen sind? Vor wenigen Stunden bin ich über Paris nach Nantes geflogen und mit dem Mietwagen direkt an die Atlantikküste gefahren. Vor mir liegen vier Tage, in denen ich, auf den Spuren des legendären Kommissar Dupin, den Süden der Bretagne erkunden werde. Das Tourismusbüro hat sich ein knackiges Programm für mich ausgedacht. Meine Reiseroute in den kommenden Tagen: Lieblingsorte des Kommissars, einige Tatorte aus den Kriminalromanen und malerisch gelegene Restaurants entlang der Südküste der Bretagne.

Was Rosamunde Pilcher für Cornwall, ist Jean-Luc Bannalec für die Bretagne

Seit einigen Jahren lässt der Autor seinen Kommissar Dupin im Westen Frankreichs ermitteln. Über 2,2 Millionen begeisterte Fans verfolgen seit fünf Bänden die Arbeit des eigensinnigen und kaffeeverrückten Kommissars der nicht nur spannende Fälle zu lösen, sondern strafversetzt aus Paris, auch mit manch Eigenheiten der Region zu kämpfen hat. Aber die Bücher eignen sich nicht nur für Krimifans – jeder Band widmet sich einem charakteristischen Thema der Bretagne und von Seite zu Seite steigt man als Leser ein Stück tiefer in die Geschichte und Kultur des Landes ein. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Regionalromanen, aber nachdem mir zufällig der erste Band „Bretonische Verhältnisse“ in die Hände gefallen ist, gab es für mich kein Halten mehr. Der aktuellste Fall, „Bretonische Flut“, wird mich auf meiner Reise als Abendlektüre begleiten.

Aber zurück an den Strand von Assérac

Ganz offiziell befinde ich mich eigentlich noch in der Région Pays de la Loire – seit der Gebietsreform 1981 zählt dieses Stück Land nicht mehr zu den vier Départements der Bretagne, aber bei diesem herrlichen Ausblick auf den Atlantik wollen wir mal nicht so sein…

Plage de Pont-Mahé

Plage de Pont-Mahé

Ich esse köstlichen Fisch im Strandrestaurant „Les Pieds dans l’eau“ und genieße den freien Blick auf den fast menschenleeren Strand. Die Hauptsaison ist vorbei, im Sommer reiht sich hier vermutlich Handtuch an Handtuch. Jetzt, im Oktober, sieht man nur vereinzelt ein paar Spaziergänger, zwei Reiterinnen galoppieren in der Ferne den Strand entlang. Idylle pur.

In den Salzgärten von Guérande

Nur wenige Autominuten habe ich meinen ersten Termin: ich treffe mich mit Salzbauer Laurent in den Salzgärten von Guérande – Tatort von Kommissar Dupins drittem Fall „Bretonisches Gold“.

Zu Besuch bei Laurent, einem Salzbauern in Guérande

Zu Besuch bei Laurent, einem Salzbauern in Guérande

Nach einem Rundgang durch die Salinen bin ich beeindruckt: es braucht viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um aus dem herangespülten Meerwasser das köstliche Fleur de Sel zu gewinnen. Und auch Laurent beeindruckt mich: Er scheint hier, inmitten der Salinenfelder, seine Erfüllung gefunden zu haben. Bei der Führung habe ich ein wenig die Zeit aus den Augen verloren und nach einem kurzen Abstecher in das Museum „Terre de Sel“ geht es für mich weiter nach Névez.

Meine erste Unterkunft: Das Hotel Ar Men Du

Nach zwei Autostunden komme ich an: die Sonne verschwindet gerade glutrot am Horizont, vor mir erscheint meine erste Unterkunft der Reise: das Hotel Ar Men Du (Bretonisch für: Der schwarze Stein), ein kleines Häuschen im bretonischen Stil (weiß getüncht mit blauen Fensterläden) direkt an der Atlantikküste. Das Restaurant krönt ein Michelin-Stern und zählt zu einem der Lieblingsrestaurants von Kommissar Dupin. Hier feiert er auch das „große Fest“ zu seinem fünfjährigen Dienstjubiläum in der Bretagne.

Meine erste Nacht verbringe ich im Hotel Ar Men Du in Névez

Meine erste Nacht verbringe ich im Hotel Ar Men Du in Névez

Bevor ich mich in die weichen Decken einkuscheln kann, lasse ich mich noch von folgendem Sterne-Menü à la Kommissar Dupin verzaubern:

Aperitif: Kir Breton
Amuse bouche: Warme Sardine, Kartoffelpüree, Trüffel
Vorspeise: Auster in Gelee auf Schaum mit Foie Gras
Hauptspeise: Pollack mit Artischocken und Gemüse der Saison, Languste und Meeresbohne
Dessert: Eine Auswahl von Käse
Menüpreis: 49 Euro zzgl. Getränke

Schlemmen wie Gott in der Bretagne: Sterneküche im Restaurant Ar Men Du in Névez

Schlemmen wie Gott in der Bretagne: Sterneküche im Restaurant Ar Men Du in Névez

Mit Kommissar Dupin durch den Süden der Bretagne – meine Route von Tag 1 nochmals für euch anschaulich auf der Karte:

Ankunft am Flughafen Nantes – Mittagessen in Assérac – Besuch der Salinen von Guérande und des Museums Terre de Sel – Übernachtung im Hotel Ar Men Du in Névez
(Ein Klick auf die Marker und ein Textfenster öffnet sich.)

 

 

Der Aufenthalt fand im Rahmen einer Kooperation mit dem Comité Régional du Tourisme de Bretagne statt. Der Artikel spiegelt die Meinung der Autorin wieder.

16 Comments

  • Annika sagt:

    Liebe Sabine,
    ich muss gestehen, dass ich Kommissar Dupin bisher gar nicht kenne, aber ich war früher als Kind ein paar mal in der Bretagne. Ich glaube ich wusste es damals nicht so richtig zu schätzen. Deine Fotos sehen toll aus und die Rundreise klingt nach einem Super-Urlaub. Vielleicht werde ich die Bretagne nochmal irgendwann besuchen. Dein Artikel macht auf jeden Fall Lust drauf!
    LG Annika

  • Barbara sagt:

    Liebe Sabine,
    die Bretagne ist glaube ich eine Region in Frankreich, die gerne übersehen wird, aber dabei so besonders ist, dass man einfach für längere Zeit hinfahren sollte. Auch die Restaurants dort klingen zum Schlemmen, Deine Erfahrung heute klingt mit dem Preis absolut nach „da will ich auch hin und genau das essen!“. Kommissar Dupin kannte ich bisher noch nicht, irgendwie gingen die letzten Jahre mehr mit Arbeit und weniger mit Büchern in der Richtung an mir vorbei, was schade ist. Danke für Deinen Bericht, ich habe jetzt richtig Fernweh!
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Liebe Sabine,
    wie du einführend die Frage aufwirfst, warum wir eher dazu tendieren an exotische weit entfernte Orte dieser Welt zu reisen, denke ich intensiver darüber nach. Du zeigst mit deinem Artikel, dass für schöne Orte nicht weit zu reisen sein muss. Für mich eine gute Inspiration, das Fernweh auch mal für ein verlängertes Wochenende unweit von Deutschland zu stillen, denn auch ich tendierte in der Vergangenheit häufig dazu, möglichst weit weg zu fliegen.
    Ich bin kein Bücherwurm, aber ich finde es klasse, wie du dir vor Ort selbst ein Bild von den beschriebenen Ort machen konntest.

    Einen schönen Gruß,
    Stefanie

    • Sabine sagt:

      Mehr Mut zu Kurzreisen!!! 😉 Bei mir fand in den letzten Jahren tatsächlich eine Art Umdenken statt – ich war zwar schon auf den Philippinen, dafür noch nie in Paris. War in Indien, aber eigentlich noch nie so richtig in Italien. Besuchte den Nahen Osten und die Emirate, aber habe noch nie die köstliche Schokolade in Belgien probiert… Solche Reisen wie jüngst in die Bretagne beweisen mir dann, jedes Mal aufs Neue, dass wir hier bei uns in Europa so tolle Regionen und Sehenswürdigkeiten haben, dass es sich wirklich lohnt, erstmal hier alles auszukundschaften. 🙂 Schön, wenn dich mein Artikel zum Nachdenken gebracht hat – es lohnt sich!

  • Kathi sagt:

    Liebe Sabine,

    ich muss mich Annika anschliessen: auch ich kenne Kommisar Dubin bisher gar nicht, bin aber neugierig geworden. Die Fotos und was du berichtest machen wirklich Lust darauf, die Route einmal nachzufahren.

    Und du hast absolut recht. Wir suchen uns immer die entferntesten Ziele aus, um möglichst tolle Reiseberichte zu schreiben. Dabei hat Europa so unglaublich viele schöne Ecken. Danke, dass du mich noch einmal daran erinnert hast. 🙂

    Viele liebe Grüsse
    Kathi

    • Sabine sagt:

      Hallo Kathi,
      lach, der Kommissar muss wohl noch ein wenig an Bekanntheit hinzugewinnen 😉 Mittlerweile gibt es sogar eine Verfilmung und – ganz frisch – ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten des Kommissars. Ich bin auch eher zufällig auf die Buchreihe gestoßen, war aber dann, nach Band 1 infiziert und neugierig auf weitere Geschichten. LG Sabine

  • Maria sagt:

    Von den Romanen habe ich nur „Bretonische Verhältnisse“ gelesen und war irgendwie nicht so richtig überzeugt – aber vielleicht sollte ich dem französischen Ermittler noch eine Chance geben 😉 Ich finde solche Reisen auf den Spuren berühmter Romane (oder Romanserien) sooo klasse und plane selbst einen Besuch in Bath zu den Jane-Austen-Festspielen – meine Lieblingsautorin. In der Bretagne hatte ich bis jetzt keinen Grund, herumzuwandern. Vielleicht ändert sich das ja jetzt…
    Viele Grüße
    Maria

  • Hartmut sagt:

    Hallo Sabine,
    hab’s auch nicht so sehr mit den französischen Kommissaren, halte mich da eher an die vielen schwedischen Kollegen von Dupin… aber dein kleiner Abstecher in die südliche Bretagne hat mir sehr gut gefallen und Erinnerungen geweckt. Habe Anfang der 90er Jahre die Bretagne besucht. Damals sind wir mit dem Nachtzug nach Paris und dann weiter mit dem TGV nach Nantes, von wo aus wir eine mehrwöchige Fahrradtour durch das Loiretal und die Bretagne gemacht haben… das ist allerdings schon sehr, sehr lange her. Wäre mal wieder Zeit, dorthin zu fahren. Habe nun nachdem ich deinen Artikel gelesen habe, wirklich List bekommen! Danke!
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    • Sabine sagt:

      Super, das freut mich! Deine Reise in den 90ern klingt auch sehr schön – ein kleines Manko bei meiner Oktober-Reise war, dass ich nur für 4 Tage vor Ort war und ein recht straffes Programm hatte. Das nächste Mal packe ich mir ein paar Tage mehr Zeit mit ein – um die Bretagne noch intensiver genießen zu können.

  • Ein cooler Artikel, schöne Fotos, tolle Reise. Jetzt hab ich richtig Lust, da auch langzufahren. Ich bin eh ein grosser Frankreichfan, doch diese Ecke der Bretagne kenne ich noch nicht.

  • Nathalie sagt:

    Liebe Sabine,
    ich fahre gern und oft nach Frankreich. Wir wohnen direkt an der französischen Grenze und fahren auch ab und zu auch nur zum Einkaufen mal rüber. Unsre Urlaube verbringen wir meist am Mittelmeer oder wie vor einigen Jahren an der südlichen Atlantikküste. Die Bretagne kenne ich bisher noch nicht, aber dein Artikel macht umso mehr Lust darauf. Vielen Dank für den tollen Einblick und das Eingangsbild ist der Hammer!!!

    Lg Nathalie

  • Christin sagt:

    Hallo Sabine,

    gut dass du am Ende noch eine Karte eingebaut hast. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit die Bretagne mit der Normandie verwechselt. Ich kenne jedenfalls beides noch nicht, aber dein Bericht macht Lust die Gegend zu erkunden. Von Frankreich kenne ich bisher nur Paris und den Süden rund um Avignon.
    Kommisar Dupin kenne ich auch nicht, aber die Bücher klingen interessant. Noch mehr Bücher auf meiner unendlich langen Leseliste 😉

    Viele Grüße
    Christin

  • Hallo Sabine,

    diese Gegend von Frankreich kenne ich leider noch gar nicht, ich war bis dato nur in Paris und im Süden unterwegs,
    Deine Route klingt jedoch toll und obwohl auch ich eigentlich nicht viel mit Krimis am Hut habe, möchte ich da jetzt doch mal reinlesen 🙂
    Das Hotel sieht übrigens total süß aus, so heimelig mit dem dunklen Dach.
    LG Karin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.