The Style of Oberstaufen: Kleine Trachtenkunde mit Ramona Strele

The Style of Oberstaufen: Im Gespräch mit Ramona Strele

In Oberstaufen liegt, das sagen zumindest die Quellen, der Geburtsort des Allgäus. In einer lateinischen Urkunde vom Februar 817 aus dem Weiler Zeil, tauchte zum ersten Mal das Wort „Albgau“ auf. Der Name leitet sich vom Althochdeutschen „alb“ (Berg oder Bergwiese) und dem Mittelhochdeutschen „göu“ (Gebiet) ab. Die Region liegt quasi vor meiner Haustür (knapp 45 Minuten Autofahrt liegen zwischen Ravensburg und Oberstaufen) und ist für mich, mit seinen Seen und Bergen, ein häufiges Ausflugsziel am Wochenende. Heute bin ich aber ausnahmsweise nicht mit Rucksack und Wanderschuhen unterwegs und mein Ziel ist nicht der Gipfel des Hochgrats, einer der Allgäuer Hausberge, sondern das Trachtengeschäft der Familie Strele im Ortszentrum Oberstaufens. Das Allgäu feiert in diesem Jahr sein 1.200 jähriges Bestehen – ein wunderbarer Grund, mich von Ramona Strele in die Allgäuer Tradition und das Brauchtum einführen zu lassen.

Ramona, was zeichnet für dich persönlich das Allgäu aus?

Ramona Strele: Mit dem Allgäu verbinde ich die hiesige Lebensfreude, Heimatverbundenheit und ein gewisses Traditionsbewusstsein, das hier auch tagtäglich noch gelebt wird. Beispielsweise gilt hier die Tracht nicht als veraltetes Museumsstück, sondern taucht, an die heutigen Anforderungen und Design-Trends angepasst, in unserem gelebten Alltag auf. Landschaftlich verbinde ich mit dem Allgäu natürlich unsere Berge und als kulinarisches Schmankerl fallen mir unsere Kässspätzle ein.

Seit wann verkaufst du hier Trachtenmode und wer gehört zu deiner normalen Kundschaft?

Schon als kleines Mädchen habe ich mich für Dirndl und Trachtenmode begeistert. Ich konnte glücklicherweise meine Begeisterung zum Beruf machen und seit nunmehr 25 Jahren statten mein Mann und ich Oberstaufener Hotels und Vereine mit Trachtenmode aus.

Ramona Strele in ihrem ganz eigenen Trachtenhimmel

2008 haben wir uns hier in der Ortsmitte mit einem eigenen Geschäft verwirklicht. Wir sind ein Familienbetrieb im besten Sinne – mein Sohn ist schon fest im täglichen Geschäft mit eingebunden, seine Freundin absolviert bei uns gerade ihre Ausbildung. Bis heute zählen Hotels, Restaurants, Musik- und Trachtenvereine zu unserer Kundschaft, aber natürlich auch viele private Einzelkunden aus der Region. Unsere Trachten sind sehr hochwertig und im Design und Material auf Zeitlosigkeit und Langlebigkeit ausgelegt. Wer sich bei uns ein schönes Dirndl oder eine gute Lederhose kauft, der hat die kommenden Jahre noch etwas davon.

Gibt es „die“ typische Allgäuer Tracht?

An einem Trachtenstil konnte man früher nicht nur ablesen aus welchem Dorf der Träger stammte, sondern auch seinen Beruf, seinen Stand und das Vermögen ableiten. Bis heute verrät die Schleife am Dirndl einer Frau ihren Beziehungsstatus.

Als typisch Allgäuerisch würde ich beim Mann die handgestickten Edelweiß-Hosenträger sehen, die kurzen Allgäuer Plattlerhosen, dazu ein klassisches weißes Hemd, graue Socken mit grünen Stutzen und die Allgäuer Haferlschuhe. Frauen tragen im Allgäu ein geschnürtes Mieder und einen langen verzierten schwarzen Rock. Dazu an Festtagen eine Seidenschürze bzw. für den Alltag eine schlichte Baumwollschürze.

Die klassische Allgäuer Tracht

Wie erklärst du dir das Revival der Tracht, also dass immer mehr junge Menschen Lederhose & Co wiederentdecken?

(Ramona Strele zeigt auf ein schwarzweißes Bild an der Wand, das eine Jagdgesellschaft zeigt) Auf diesem historischen Bild siehst du den Ursprung der Lederhose als typische Arbeitshose im Allgäu. Es zeigt Prinz Luitpold umringt von seiner Jagdgesellschaft, die allesamt Lederhosen tragen. Die Lederhose galt früher als robuste Arbeitshose. Die Tracht war praktisch, schlicht und bot dem Träger Schutz vor Hitze, Kälte, Nässe und Ungeziefer. Die Hemden boten genug Platz für die nötige Bewegungsfreiheit. Grobe Stiefel gaben dem Fuß auch auf unwegsamem Gelände, in den Bergen oder auf der Alm, den nötigen Halt. Es ging um die Funktion, nicht ums Aussehen.

Beim Alm-Abtrieb, dem Viehscheid, zeigt sich jeder in seiner schönsten Tracht.

Zwischen damals und heute liegt natürlich eine lange Zeit, in der die Tracht immer wieder von der Bildfläche verschwand bzw. ein kleines Revival erlebte. Vor einigen Jahren fing die Jugend wieder an, sich mit Dirndl und Lederhosen zu beschäftigen. Natürlich steht heute auch das Aussehen im Vordergrund und die Schnitte und Stile sind moderner geworden. Auch die Farben ändern sich je nach Jahreszeit und modischen Trends.

Im Frühjahr verkaufen wir zum Beispiel eher Baumwoll-Dirndl mit leichteren Stoffen, im Herbst und Winter eher festliche Dirndl aus Brokatstoff und mit schmückender Seidenschürze. Was sich aber nicht geändert hat, ist die Langlebigkeit: es passiert mir immer wieder unterm Jahr, dass ein junger Mann mit einer Lederhose des Urgroßvaters mitten im Laden steht. Die hat dann sämtliche Formen und Farben, aber wir arbeiten sie wieder auf, damit auch die nächste Generation daran ihre Freude hat.

Ich selbst bin blutige Einsteigerin in Sachen Tracht. Wie viel sollte ich zum Einstieg finanziell für ein Dirndl aufbringen und warum sollte eine Frau, deiner Meinung nach, mindestens ein Dirndl im Schrank haben?

Mit 200 bis 300 Euro für ein schlicht-gearbeitetes Dirndl kommst du zum Einstieg ganz gut hin. Ein Dirndl unterstreicht alle Vorzüge deiner Figur. Es sollte figurbetont sitzen, das Dekolleté betonen und kleine Makel können mit einem dementsprechenden Rock wunderbar kaschiert werden. Wozu ich jeder Einsteigerin auf jeden Fall rate: „Bringe für die Beratung genug Zeit mit, dann finden wir auch das richtige für dich!“ Es gibt so viele verschiedene Stile und Formen. Ein Dirndl-Kauf ist vergleichbar mit dem Kauf eines Hochzeitskleides. Es bedarf einer guten Beratung die teilweise bis zu zwei Stunden dauern kann und man sollte auf hochwertige Materialien und Stoffe setzen.

Und wenn ich mein perfektes Dirndl besitze – welche Veranstaltung bietet sich an, mein Dirndl in Oberstaufen auszuführen?

Da würde ich dir direkt unseren Viehscheid (Almabtrieb) Mitte September empfehlen. Hier wird die Rückkehr von Mensch und Tier von den Alpen gefeiert. Ein sehr traditionelles Ereignis, bei dem die Besucher überwiegend in Tracht erscheinen. Aber du kannst dein Dirndl auch bei einem schönen Abendessen ausführen, zu festlichen Gelegenheiten tragen, bei Tanzvorführungen und Konzerten – wir Staufner holen unsere Tracht regelmäßig aus dem Schrank.

In Oberstaufen bestimmt die Tracht das Ortsbild.

Noch mehr Allgäu für Einsteiger und Fortgeschrittene

Habt ihr Lust bekommen, mehr über das Allgäu zu erfahren? Dann hätte ich folgende Empfehlungen für euch:

    • Zeitreise durchs Allgäu: Besuch des Heimatmuseums beim Strumpfar
      Ich bin wirklich kein großer Fan von Heimatmuseen, aber bei diesem mache ich gerne eine Ausnahme. Das aus dem Jahre 1788 stammende Bauernhaus wurde von „Strumpfwirkern“ bewohnt, es befindet sich noch im Originalzustand und wird heute als Heimatmuseum genutzt. Unbedingt an einer der Führungen teilnehmen! Hinter jedem Gegenstand verbirgt sich eine kleine, persönliche Geschichte des ehrenamtlichen Museumsführers.
    • Arrangement „In drei Tagen zum Allgäuer“ des Lindner Parkhotel & Spa Oberstaufen
      Mit dem Arrangement feiert das Hotel 2017 das Jubiläum der Region mit seinen Gästen. Neben drei Übernachtungen, zwei Feinschmecker Abendessen sowie einem deftigen Kässspätzle Essen, erhalten Gäste einen kostenfreien Eintritt ins Heimatmuseum, 10 Prozent Rabatt bei Trachten Strele, eine kleine Auszeit auf der Quarzsandliege sowie ein kleines Dialekt Wörterbuch „Allgäuerisch“. Dazu gibt es ein kostenfreies Begrüßungsgetränk, die kostenfreie Nutzung des Wellnessbereichs und die freie Teilnahme am Fitness- und Aktivprogramm.

Die Reise fand in Kooperation mit Lindner Hotels & Resorts statt. Der Artikel gibt die Meinung der Autorin wieder.

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