Mit diesen Basics meistert ihr stilvoll die nächste Weinverkostung

Kennt ihr die Situation: man geht fein aus, hat ein Meeting mit Geschäftspartnern, die Schwiegereltern melden sich fürs Wochenende an und man steht mal wieder etwas verloren vor einem überdimensionalen Weinregal beim Händler seines Vertrauens und kann sich beim besten Willen nicht für eine der Flaschen entscheiden….Ja? Dann seid ihr hier genau richtig!

Ich trinke sehr gerne mal ein Gläschen Wein, ob zu einem guten Essen mit Freunden oder abends auf der Couch zum gelungenen Tagesausklang oder eben bei besagten, etwas feierlichen Anlässen. Die Weine, die bei mir zu Hause stehen, habe ich meist geschenkt bekommen – also jemand anderes hat die Auswahl für mich übernommen. Einen Weinfachhandel, geschweige denn ein Weingut gibt es leider in meiner näheren Umgebung nicht und schwupps finde ich mich vor besagtem Weinregal im Supermarkt wieder. Klar weiß ich, dass man einen Weißwein eher zu leichten Speisen und Fisch reicht, ein Rotwein eher zu dunklem Fleisch passt, aber das war es bislang auch schon. Nach einigen quälenden Minuten entscheide ich mich dann schließlich intuitiv und spontan für eine Flasche: nicht allzu günstig, eine Medaille ist sicher auch nicht schlecht, ach, das Etikett sieht doch nett aus….dies sind meistens meine Qualitätskriterien gewesen, die die das eine oder andere Mal leider mit einem weniger guten Tropfen endeten.

Ich habe mir in den Kopf gesetzt, mehr über Wein zu erfahren

Doch dies soll sich nun ändern: ich habe mir in den Kopf gesetzt mehr über Wein zu erfahren, träume insgeheim von einer einfachen Anleitung, wie man in wenigen Schritten einen guten von einem schlechten Wein unterscheidet bzw. einen Kriterienkatalog, was denn nun eigentlich einen guten Wein ausmacht. Ich nehme an einem Weinseminar der sogenannten „Bacchus-Jünger“ teil, eine Art „Weinbruderschaft“ – (Keine Angst: Frauen sind hier ausdrücklich willkommen) – deren rund 60 Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht haben, mittels gemeinsamer Weinproben und Reisen, das Kulturgut Wein zu bewahren und zu fördern. Vier Stunden Weinverkostung liegen vor mir, der Inhalt von dreißig Flaschen möchte geschwenkt, gekostet und analysiert werden, und sogar ein Wein aus meinem Geburtsjahrgang 1985 hat es unter die Auswahl geschafft – er ist aber letztendlich nicht mal mehr als Essig einsetzbar…

Doch, wie erkennt man nun einen guten Wein? Ich habe euch vereinfacht fünf Kriterien zusammengefasst, die euch auch als Laien ziemlich viel über den Wein vor euch in der Flasche verraten:

(1) Das Etikett

Der erste Eindruck zählt, nicht nur im Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch bei der Auswahl vor dem Weinregal. Ein großer „Imageträger“ ist hierbei ganz klar das Etikett, das für das jeweilige Weingut wirbt, aber auch viele nützliche Hinweise über den Wein für euch bereithält:

– Alkoholgehalt: Weine mit hohen Alkoholwerten, machen nicht nur schneller betrunken, sie sind auch deutlich kräftiger im Geschmack, denn Alkohol ist ein guter Geschmacksträger. Der Alkoholgehalt beeinflusst generell, wie die Weine im Mund liegen – man spricht hier vom sogenannten „Körper“. Manche Tropfen liegen leicht und dünn, andere dagegen schwer und massiv im Mund. Mit bis zu 10 Volumenprozenten gilt ein Wein als leicht, mit bis zu 12 Volumenprozenten darf er sich mittelschwer nennen. Über 14 Volumenprozenten liegen die sogenannten „schweren“ Weine.Ein guter Wein hat das richtige Maß Alkohol und überzeugt durch einen festen und vollen Körper.

– Anbaugebiete: Wenn ihr wirklich ein wenig in die Weinkunde einsteigen möchtet, empfehle ich euch zunächst nur „reine“ Sorten zu probieren, also keine Cuvées (sogenannte Mischungen aus verschiedenen Rebsorten) sondern pure Weine. Als Einstieg würde ich auch zunächst deutsche Weine empfehlen. Die deutschen Weinbaugebiete liegen grob gesprochen südlich einer Linie Köln-Halle und orientieren sich an den größeren Flüssen. Saale-Unstrut, Sachsen, Ahr, Mosel, Mittelrhein, Rheingau, Nahe, Rheinhessen, Hessische Bergstraße, Franken, Württemberg, Baden und Pfalz sind einige Namen bekannter Weinregionen.

– Jahrgang: Wisst ihr noch, was ihr vor fünf Jahren im Sommer gemacht habt? War es einer der sogenannten „Jahrhundertsommer“, oder waren es eher regnerische Wochen mit kühlen Temperaturen? Ihr könnt euch nicht erinnern? Das geht mir meistens genauso. Deswegen tue ich mich auch in puncto Jahrgang etwas schwer. In welchem Sommer die Trauben gereift sind, ist sehr wichtig für den Geschmack des Weines, denn das Wetter ist ein entscheidender Faktor beim letztendlichen Geschmack der Trauben. Experten haben hier den Durchblick: Sie wissen, welcher Jahrgang gut war, lagern demzufolge Weine ein oder halten andere Weine eher auf Abstand. Es gibt auch Tabellen, die euch über das jeweilige Jahr informieren. Aber das ist schon eher etwas für Profis.

Viele Fachleute sind der Meinung dass der Jahrgang eines Weines überbewertet wird. Allerdings: steht kein Jahrgang auf der Flasche und seid ihr nicht gerade vor dem Champagnerregal gelandet, haltet ihr meist einen „Industriewein“ in der Hand, der auf meist simple Art in Massenproduktion hergestellt wird. Weinkenner nehmen solche Weine meist nur ungern in die Hand, achtet bei eurem nächsten Einkauf mal darauf.

(2) Der Verschluss

Der Schraubverschluss für Wein ist im Kommen. Selbst berühmte Weingüter verwenden mittlerweile die Metallklappen. Daher bitte nicht intuitiv zurückschrecken, wenn der Wein, der gerade vor eurer Nase geöffnet wird, mit einem schnöden Schraubverschluss versehen ist. Ein Korkverschluss ist heute kein Qualitätsmerkmal eines guten Weines mehr. Im Gegenteil: wird ein schlechtes Naturprodukt verwendet, kann es sein, dass der Kork mit Trichloranisol zersetzt ist und das ursprüngliche Aroma des Weins durch einen muffig-modernden Geschmack überlagert wird.

(3) Die Optik

Die Flasche ist geöffnet, der Weiß- oder Rotwein ist nun bereit zur Verkostung. Doch so eine Weindegustation beginnt nicht etwa mit einem kräftigen Schluck, sondern zunächst widmet man sich der Optik des Weines. Hierzu schwenkt man den Wein leicht im Glas und beobachtet, welche Eigenart die Tropfen besitzen, die die Glaswand herunterlaufen. Man spricht von den sogenannten Tränen. Je schlieriger der Wein an der Glaswand herunterläuft, desto gehaltvoller (an Alkohol) ist er. Haltet das Glas auch mal gegen das Licht. Welche Farben seht ihr? Weißweine reichen hier von zartem grüngelb bis hin zu bernsteinfarbenen Farbtönen (je dunkler, desto älter ist der Wein). Rotweine hingegen variieren in ihren Tönen von rotbraun über rubinrot bis hin zu schwarzrot mit violetten Tönen. Je heller ein Rotwein ist, desto älter ist er, denn mit der Zeit setzen sich die Farbstoffe am Boden der Flasche ab.

(4) Der Geruch

Jetzt wird es für Laien etwas schwieriger, denn es geht um den Duft des guten Tropfens vor euch im Glas. Weinkenner greifen bei der Beschreibung auf über 100 Begriffe zurück, und ich muss gestehen: ich tue mich schwer, Quitte, Veilchen, Stachelbeere oder Feige allein durch meine Nase auseinanderzuhalten. Aber ihr müsst ja nicht sofort den Volltreffer landen. Schwenkt nochmals vorsichtig das Weinglas, dadurch vergrößert sich die Oberfläche und die Duftstoffe lösen sich leichter. Haltet das Glas unter eure Nase und zieht gleichmäßig den Duft des Weines ein. Was riecht ihr?

Insgesamt unterscheidet man den Duft in sieben Aroma-Familien: blumig (Rose, Veilchen…), fruchtig (Beeren, Zirtrusfrüchte, Kernobst), pflanzlich (Gras, Heu, Waldduft), würzig (Zimt, Muskat, Pfeffer…), karamellisiert (Honig bzw. Karamellnote), rauchig (Leder, Teer, holzig) und mikrobiologisch (säuerlich, Joghurt).

(5) Der Geschmack

Der große Moment ist gekommen: jetzt geht es an die Geschmacksprobe. Nehmt einen mittleren Zug, behaltet den Wein zunächst im Mund, bewegt ihn vielleicht mit der Zunge etwas im Mundraum, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Wie lautet der erste Eindruck? Schmeckt ihr eher etwas Säure oder einen Anteil von Süße? Schmeckt ihr Bitterstoffe, schmeckt der Wein gar salzig oder eher herzhaft (umami)? Wie fühlt sich der Wein dabei im Mundraum an? Dick, cremig, ölig oder samtig sind hier nur einige Beispiele. Und ähnlich wie bei der Geruchsanalyse, geht es jetzt im letzten Schritt um die Beschreibung des Geschmacks – der vom ersten Geruchseindruck meilenweit entfernt liegen kann. Warum man das macht? Richtige Weinkenner, können allein durch die Degustation die Rebsorte bzw. das Anbaugebiet erkennen. Sobald ihr zum Beispiel eine feine Note von Ananas, Pfirsich oder Aprikose herausschmeckt, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr gerade einen Riesling probiert habt. Schmeckt ihr hingegen eine starke Zwetschgennote, schwarze Johannisbeere, und schwarze Olive gepaart mit einer kräuterigen Würze im Abgang, habt ihr mit großer Wahrscheinlichkeit einen Shiraz im Glas.

Zu guter Letzt:

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel Weinwissen auf einmal. Achtet einfach beim nächsten Weinkauf auf die Details und nehmt euch bei eurem nächsten Gläschen Wein etwas Zeit und versucht die Optik, den Geruch und den Geschmack mit euren eigenen Worten zu beschreiben. Wenn ihr in der näheren Umgebung eines Weinguts lebt, empfehle ich euch, dort mal an einer Verkostung teilzunehmen. Und nicht vergessen: der persönliche Geschmack ist immer individuell – daher kann euch eigentlich gar kein „Fehler“ passieren.

Wie immer freue ich mich über eure Kommentare bzw. an dieser Stelle auch explizit persönliche Weinempfehlungen. Habt ihr bereits an einer Weinverkostung teilgenommen, was waren hierbei eure Erfahrungen? Ich freue mich auf eure Nachrichten!

 

 

3 Comments

  • Johannes sagt:

    Toller Artikel mit wichtigen Infos, nicht nur für Anfänger auf diesem Gebiet 😉 Wenn du auf den Geschmack von Weinverkostungen gekommen bist und dich eine nächste Reise eventuell einmal nach Südtirol ziehen sollten, dann nützte dort die Gelegenheit an einer Weinverkostung teilzunehmen. Es gibt unzählige Kellereien und freie Weinbauern, die dort die Weinkeller für Besucher öffnen. Das Non Plus Ultra für Weinliebhaber ist das jährlich im November stattfindende MeranoWinefestival in Meran, dort hast du die Möglichkeit unzählige Top Weine zu probieren. Die Eintrittskarte ist zwar teuer, aber die Investition lohnt sich! Viel Spaß bei weiteren Erfahrungen mit Wein wünscht Jo 🙂

    • Sabine sagt:

      Hallo Jo, danke dir – sowohl für das nette Kompliment zum Artikel, aber auch für den Südtirol-Tipp. Steht auch schon länger auf meiner „Da-muss-ich-unbedingt-mal-hin-Liste“. Das Weinfestival in Meran merke ich mir mal vor – klingt verlockend 🙂

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