Unter Schaumschlägern: Mein Hamam-Bädertest

Bildrechte: Visit Jordan

Leise Entspannungsmusik dudelt aus dem kleinen Lautsprecher an der Wand, ich liege auf einem warmen Marmorstein, alle Viere von mir gestreckt. An mir wird emsig gepeelt, geschrubbt und geschäumt und nach zehn Minuten vergesse ich alles um mich herum. Ich befinde mich inmitten einer Hamam Zeremonie, und nicht wie ihr denkt in einem arabischen Land, sondern direkt am Ufer des Bodensees in der Meersburg Therme. „Lassen Sie sich wie ein Sultan verwöhnen“ stand in dem Werbeprospekt, „Stress, Belastung und Verspannungen werden einfach weggespült“ prophezeit mir die PR-Broschüre weiter. 75 Minuten Wassergüsse, Hautpeelings, Ganzkörper-Seifenschaummassage und ein kleines Getränk, schlagen hier mit satten 67 Euro zu Buche. Ein stolzer Preis, aber was tut man nicht alles für das eigene Wohlbefinden?

Aber zurück auf Anfang. Ein Hamam ist ein traditionelles Dampfbad, das man vor allem aus dem arabischen und iranischen Kulturraum kennt. Es ist auch unter den Namen Türkisches oder Orientalisches Bad bekannt. Anders als in der finnischen Sauna mit trocken-heißem Klima, schwitzt man im Hamam auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit.

Hamams in Marokko und Jordanien sowie ein deutsches Erlebnisbad am Bodensee im Vergleich

Meinen ersten Hamam Besuch erlebte ich auf einem Roadtrip durch das Hinterland Marokkos. Ich war unterwegs inRichtung Wüste und fuhr durch sehr ländliche und teils arme Gegenden, in denen auch heute nicht jede Familie über ein eigenes Badezimmer verfügt. Daher gehört der wöchentliche Gang ins Hamam zum normalen Beautyprogramm und ich hatte die Möglichkeit, mich am „Frauenbadetag“, einer Gruppe einheimischer Frauen anzuschließen. Und da stand ich nun, die einzige Europäerin, blass wie ein Pfannkuchen, leicht beschämt und nur mit einer verwaschenen Unterhose bedeckt, vor einer Gruppe von rund vierzig Marokkanerinnen, die mich teils erstaunt, teils belustigt anblickten. Aber mich hatte bereits die Neugierde gepackt, ich wollte dem Schönheitsgeheimnis des Orients auf die Schliche kommen. Auf ging’s in den Badebereich. Sogleich schlug mir ein Schwall feucht-heißer Luft und ein Orchester an arabischem Stimmengewirr, Kinderweinen und dem Geräusch plätschernden Wassers entgegen. Dunkelhäutige Marokkanerinnen saßen auf dem Boden, färbten sich ihre langen Haare mit roter Hennapaste, shampoonierten ihre Kinder in einer Emsigkeit, dass von den kleinen Körpern unter den Schaumbergen kaum mehr die Konturen zu erkennen waren, plauderten mit der Nachbarin über das aktuelle Geschehen im Dorf und musterten verstohlen die eine oder andere junge Frau, die das Potenzial zur möglichen Schwiegertochter hatte. Ich hatte mich zuvor auf dem Markt mit Seifen, einer Bürste und einem Peelinghandschuh eingedeckt und verbrachte die kommenden Stunden damit, in diese bunte, laute Welt einzutauchen und gleichzeitig mich vom Schmutz der gefühlt letzten zehn Jahre zu verabschieden.

Das Al-Pasha Turkish Bath in Amman

Einige Jahre später, einige tausend Kilometer weiter östlich, stehe ich vor dem Al Pasha Turkish Bath in der jordanischen Hauptstadt Amman, laut Reiseführer, die Wiege der nahöstlichen Badekultur. Das Hamam ist aus der griechisch-römischen Badekultur entstanden, die bereits die Byzantiner für sich entdeckten. Später wurde das Konzept dann quasi von den Arabern übernommen und Überlieferungen belegen, dass die ersten Hamam Bäder im islamischen Raum, wohl im Mittelalter, tatsächlich in der Region des heutigen Jordaniens errichtet wurden.

Al Pasha Turkish Bath

Vielleicht mag der Eingangsbereich etwas karg aussehen – innendrin ist es dann ein kleines Märchen aus 1001 Nacht. Bevor ihr in das Hamam geht, erkundigt euch davor, nach den genauen Badezeiten für Männer und Frauen.

Und hier stehe ich nun, am frühen Vormittag (der Abend ist den Männern vorbehalten) und möchte mich nach einigen erlebnisreichen Sightseeing Tagen mal von der Pike auf erholen. Anders als in Marokko wird heute eine Masseurin den Reinigungspart übernehmen, aber bevor es soweit ist, werde ich erstmal in einen kleinen Whirlpool verfrachtet um die ersten Verspannungen zu lösen. Dann geht es in Richtung Dampfraum. Die Verständigung läuft über sanfte Berührungen und Handzeichen. Nah zehn Minuten greift mich eine Hand am Arm und führt mich zu den beheizten Steinliegen. Mit gleichmäßigen Bewegungen werde ich mit einem Luffa Handschuh von oben bis unten abgeschrubbt, bevor ich von weichem Schaum eingehüllt werde. Dazu wird ein Baumwollsack eingeseift, durch Schwenken mit Luft gefüllt, per Hand verschlossen und der warme Schaum aus dem Gewebe auf den Körper gestreift. Ich nicke kurz ein und wache durch ein zaghaftes Tippen auf meiner Schulter wieder auf. Nun geht es an die Verspannungen und ich werde von der Fußspitze bis zur Kopfhaut fachmännisch durchgeknetet. Später werde ich mit einem süßen Granatapfelsaft in den kühleren Ruhe- und Entspannungsbereich geführt – meine Haut fühlt sich an wie ein Babypopo – und die wohlige Wärme lässt mich schläfrig wegdösen. Die Behandlung hier kostet rund 25 Euro, insgesamt verbringe ich über drei Stunden in dieser wunderschönen Wellnessoase.

Zurück an den Bodensee

Und nun liege ich unweit des Bodensees, meine Masseurin heißt nicht Yasmina, sondern Beate, und die asiatische Meditationsmusik will nicht so ganz zur orientalischen Behandlung passen. Aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Der Hamam Bereich ist aufwendig gestaltet, die in Türkistönen und Gold gehaltenen Fliesen tragen eine Großteil dazu bei, dass man recht schnell das nahe Ufer des Bodensees vergisst. Ich liege, nur mit einem kurzen Leinenstoff bedeckt, erneut auf einer warmen Steinbank, genieße die gleichmäßigen warmen Wasseraufgüsse, das intensive Hautpeeling mit dem Rohseidenhandschuh und entspanne bei der anschließenden Ganzkörpermassage. 75 Minuten fühle ich mich tatsächlich ein wenig wie ein Sultan (gibt es hierfür auch einen weiblichen Begriff?) und werde mit Sicherheit in den kühleren Wintermonaten nochmals auf dieses wohltuende Entspannungsprogramm zurückkommen.

Mein Fazit

In Deutschland findet ihr in jeder größeren Stadt die Möglichkeit einen Hamam zu besuchen. Schaut doch gleich mal im Internet nach einem Angebot bei euch um die Ecke. Jedes größere Freizeitbad  bietet mittlerweile Hamam-Zeremonien im Rahmen des Massage- und Wellness-Programms an. Das Preis-Leistungsverhältnis ist natürlich in einem arabischen Land bei weitem günstiger, dennoch ist das Angebot in Deutschland preislich fair und reicht qualitativ – abgesehen von kleinen Abstrichen – fast an das Original heran. Für mich schneidet die Hamam-Zeremonie in der Therme Meersburg mit Bestnoten (kleiner Abzug in der B-Note) ab. Schön ist auch das Angebot einer Paarzeremonie, bei dem ihr mit Freund/Freundin die Wellnesszeremonie Liege an Liege genießen könnt.

Lieben Dank an das Fremdenverkehrsamt Jordanien für die Bereitstellung der Bilder!

 

8 Comments

  • Ivana sagt:

    Oh, Hammams sind eine tole Erfahrung. Ich war in einem tradtitionellen in Istanbul, schön nach Männlein und Weiblein getrennt und kann es auch nur empfehlen.

    Liebe Grüße,
    Ivana

  • Mein erstes Mal im Hamam habe ich im Türkeiurlaub in Side erlebt. Dort gab es das Angebot in der Hotelanlage und es hat all meine Erwartungen übertroffen. Der Moment, in dem man in weichen Schaum gehüllt wird… als würde man auf einer Wolke schweben! Herrlich! Im März geht es nach Hurghada – hoffentlich finden wir dort auch ein Hamam-Angebot 🙂
    Ganz liebe Grüße
    PS: Kennst du schon die SchwabenQuellen in Stuttgart? Auch dort gibt es Wellness pur 😉
    http://commeamus.de/2015/01/von-null-auf-urlaub-in-100-sekunden-die-schwabenquellen-in-stuttgart/

    • Sabine sagt:

      Muss ich direkt mal ausprobieren! Mir ist gerade sowieso nach Wärme – die nächste Reise in die Sonne liegt leider noch ein paar Wochen entfernt.
      Hurghada? – Ja, da sollte sich auf jeden Fall ein Hamam finden lassen. Warst du schon dort? Die Preise sind ja gerade unverschämt günstig und ich habe auch schon hin und her überlegt, nicht spontan eine Woche nach Ägypten zu reisen – wie gesagt, das Winterwetter ist so gar nicht meins.
      LG und ich freue mich auf dein Hurghada-Bericht!

  • Mimi sagt:

    Liebe Sabine,

    ich habe dich für die Blogger-Aktion „Liebster Award“ nominiert. Ich habe deinen Blog zufällig über ein Facebook Reise-Bloggerforum entdeckt und fand ihn ziemlich spannend. Noch dazu könnten meine gestellten Fragen u.a. zu deinen Bloggerthemen passen. 😉

    Schau doch einfach mal demnächst auf meinem Blog http://mimisbulletin.blogspot.de/ vorbei.
    Unter dem Post „Dearest Award“ findest du die Spielregeln und die elf Fragen an dich (im unteren Teil des Posts findest du eine komplette Übersetzung ins Deutsche)

    Ich freue mich auf deine Antworten!

    PS: Mein erstes Hamam-Erlebnis in Marrakesch war sehr ähnlich zu deinem. Es war ein ziemlich seltsames Gefühl, damals als einzige Nicht-Marokkanerin splitternackt im Hamambad zu stehen und von einer ebenfalls entblößten Dame durchgeschrubbt zu werden. 😉
    Aber die Erfahrung war es wert!

    Liebe Grüße,
    Mimi

    • Sabine sagt:

      Hallo Mimi, hui wie schön, dass dir mein Blog so gut gefällt! Danke für die Nominierung, ich werde mich heute Abend direkt über die Fragen machen. Bist du im März auf der ITB? Würde mich freuen, wenn man sich mal persönlich über den Weg laufen würde. Viele liebe Grüße und ich freue mich 🙂

  • Gute Idee, Sabine, unter Einsatz des eigenen Körpers die Hamams verschiedener Länder miteinander zu vergleichen!

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