Hin & Weck: Zu Gast in der neuen Genusswerkstatt „Das Fetzwerk“ in Oberstdorf

© Das Fetzwerk

Das Örtchen Oberstdorf und ich, wir werden wohl keine wirklichen Freunde mehr. Egal, wann ich mich auf den Weg in den bekannten Skiort mit seiner noch bekannteren Skisprungschanze mache, schneit es dicke Flocken vom Himmel. Auch heute bahne ich mir tapfer meinen Weg durch die tiefverschneite bayerische Landschaft. Mein Ziel: die Genusswerkstatt „Das Fetzwerk“, scheinbar DIE neue Adresse für Genießer und Feinschmecker in Süddeutschland. So ganz kann ich mir unter dem Konzept „Fast Slow Food“ noch nicht wirklich etwas vorstellen. Was ich aber schon weiß: ein Sternekoch muss bei dem neuen Konzept die Hände mit im Spiel gehabt haben und mein Essen wird mir heute von der Vorspeise bis zum Dessert im Weckglas serviert. Klingt spannend oder?

Wenige Minuten nach unserer Ankunft im verschneiten Winterwonderland Oberstdorf, sitzen wir im hellen, lichtdurchfluteten Glasanbau des neuen Fetzwerk. Hier drinnen ist es wohlig warm, die Einrichtung strahlt, trotz des bunten Mix aus verschiedenen Designstilen, Farben und Mustern, eine derartige Gemütlichkeit und Ruhe aus, dass ich nach wenigen Augenblicken die zurückliegende Autofahrt komplett vergessen habe.

Bodenständig, innovativ, verrückt – das neue Fetzwerk

Designerstühle in allen möglichen Farben und Variationen, stilvolle, dänische Designerleuchten, poppig bunte Bilder an den holzvertäfelten Wänden, und ein wunderschöner Fliesenboden mit orientalisch anmutenden Ornamenten. Auch eine alte, bequeme Sofasitzgruppe hat hier ihre Funktion gefunden und über dem Stammtisch hängt eine Pendelleuchten-Konstruktion bestehend aus 628 Holz-Essstäbchen – alles in allem klingt das Ganze nach einer optischen Herausforderung – real, wirkt es harmonisch, durchaus einladend und strahlt die große Liebe zum Details aus, mit der man sich hier ans Werk gemacht hat.

Ein bunter Mix aus Designelementen - das Fetzwerk, die neue Genusswerkstatt in Oberstdorf.

Ein bunter Mix aus Designelementen – das Fetzwerk, die neue Genusswerkstatt in Oberstdorf.

Anhand der modern aufgemachten, quadratischen Speisekarte erklärt uns die Kellnerin das einmalige Konzept, das sich hinter dem neuen Fetzwerk verbirgt: Insgesamt stehen uns 9 verschiedene Weckglasvariationen zur Auswahl. Jeweils drei Gerichte mit Fleisch, drei Gerichte mit Fisch und drei Gerichte für Vegetarier. Und auch regional sind die Gläser definiert: drei Gerichte lassen sich der Kategorie „VON DOHUIM“ zuordnen, drei Gerichte folgen dem Motto „MEDITTERANO“ und drei Gerichte decken das Motto „FAR EAST ASIA“ ab.

Quadrtisch, praktisch, gelb! Alleine die ungewöhnliche Gestaltung der Karte macht Lust auf mehr!

Quadrtisch, praktisch, gelb! Alleine die ungewöhnliche Gestaltung der Karte macht Lust auf mehr!

84 verschiedene Kombiniermöglichkeiten

Nun habe ich die Qual der Wahl. Ein Menü besteht klassischerweise aus drei Gläsern. Ich könnte mich nun also für ein reines Fleisch-/Fisch-/Veggie-Menü entscheiden, nur Weckgläser aus einem regionalen Motto wählen oder – ganz Cross-Over – alles miteinander vermixen und individuell meine Gläschenauswahl zusammenstellen. So ein bisschen erinnert mich die Situation an Spanien, wo man auch meist vor einer riesigen Auswahl an Tapas-Spezialitäten sitzt und einem allein schon beim Lesen der Karte das Wasser im Mund zusammenläuft. So geht es mir auch in diesem Fall, wobei ich mich vor allem an den lustigen Namen orientiere und mich fast schon aus weiblichem Reflex heraus für das Gläschen „Gambretto Stiletto“ entscheide. Dazu kommt das Gläschen „Edelfisch-Praline“ und, passenderweise für eine Reisebloggerin, auch das vegetarische Weckglas „Rund Reis(e)“.

Während unser Essen in der Küche zubereitet wird, gesellt sich Inhaberin Margret Bolkart-Fetz zu uns an den Tisch. Sie ist, das merkt man schnell, die gute und kreative Seele des Hauses. Gemeinsam mit ihrem Sohn Ludwig und Sternekoch Tobias Eisele, der ein paar Schritte weiter im Maximillians die Gäste mit Sterneküche verwöhnt, hat sie das unkonventionelle Konzept des Fetzwerk kreiert.

„Unser Konzept Fast Slow Food lässt sich recht einfach erklären: wir verwenden hochwertige und regionale Produkte für unsere Gerichte, achten auf die Rezeptur, vermeiden wenn möglich, jeglichen Zusatz von Geschmacksverstärkern oder Ähnlichem. Dennoch, und das ist uns natürlich bewusst, kann ein Essen nicht immer einen halben Nachmittag zelebriert werden. Manchmal braucht es nur einen kleinen Snack oder Magenfüller am Abend, bzw. Geschäftsleute suchen nach einem leichten und schmackhaften Essen für die Mittagspause.

Wir wollten mit dem Fetzwerk auch einen kleinen Kontrast zu unseren anderen Gastrokonzepten bilden. Es sollte ein modernes, frisches und sympathisches Konzept werden, das uns und unseren Gästen gewisse Freiheiten und Experimentiermöglichkeiten gibt. So entstand Schritt für Schritt unsere Idee der Speisen im Weckglas. Hinter allen Rezepturen steht unser Sternekoch Tobias. Daher profitieren unsere Gäste nicht nur von äußerst leckerer und kreativer Küche, sondern auch von einem fairen und transparenten Preiskonzept.“

Sterneküche im Glas gibt es bei der sogenannten „Luxus-Audienz“

Stimmt! Die dreiteiligen Weck-Menüs schwanken preislich von 19,50 Euro bis 23 Euro. Ein Dessertglas schlägt mit 7,50 Euro zu Buche. Natürlich kann man sich auch nur für ein einzelnes Glas entscheiden – hier liegen die Preise zwischen 7 und 8,50 Euro. Wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, ist mit dem sogenannten „Glas Royale“ für 26 Euro bestens beraten: Jeden Abend ab 18 Uhr serviert hier Sternekoch Eisele ein Gericht aus der ambitionierten Sterneküche im Weckglas. Zusammen mit einem Dessert wird die sogenannte „Luxus-Audienz“ zum Preis von 32 Euro angeboten. Ein kleiner Geheimtipp für alle, die ihre Liebsten mal mit einer Einladung in die Sternegastronomie überraschen möchten!

Fetz hoch vier

Im Gespräch mit Margret Bolkart-Fetz erfahren wir mehr über die Familie Fetz. Der Großvater, einstige Skisprunglegende, ziert heute noch in wundervoller Retro-Skispringermontur zwei großflächige Leinwände an den hellen Holzdecken des Innenraums. Neben dem im November 2015 eröffneten Fetzwerk und dem, nur mit einem Durchgang getrennten, Sternerestaurant Maximillians, betreibt die Familie das Romantikhotel Freiberg (mit aktuell acht Zimmer das zurzeit noch kleinste 4-Sterne Hotel Deutschlands) sowie das nahegelegene Restaurant „Das Jagdhaus“ – ein über 160 Jahre altes, denkmalgeschütztes königliches Jagdhaus, in dem heute Margrets Mann Ludger Fetz rustikale und regionale bayerische Küche zaubert. Doch auch hinter diesem, auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkenden Konzept steckt Qualität und Raffinesse – denn nicht umsonst zieren das Haus aktuell 14 Punkte im renommierten Gault Millau.

Das Ehepaar Fetz betreibt insgesamt drei Restaurants und ein Hotel in Oberstdorf. © Das Fetzwerk

Das Ehepaar Fetz betreibt insgesamt drei Restaurants und ein Hotel in Oberstdorf. © Das Fetzwerk

 

Nur ein paar Schritte vom Fetzwerk entfernt: das Sternerestaurant Maximillians.

Nur ein paar Schritte vom Fetzwerk entfernt: das Sternerestaurant Maximillians.

Nun darf probiert werden!

Aber genug geredet. Jetzt geht es ans Probieren! Mit meiner Gläserauswahl habe ich geschmacklich voll ins Schwarze getroffen. Meine Garnelen liegen auf einem leichten Bett aus Safranfenchel und Staudensellerie, geschmacklich kombiniert mit einem tollen Süßkartoffelgelee.

Gambretto Stiletto

Gambretto Stiletto

 

Edelfischpraline

Edelfischpraline

 

Schon leer? Aber keine Sorge, nach drei Gläschen ist mein Hunger gestillt.

Schon leer? Aber keine Sorge, nach drei Gläschen ist mein Hunger gestillt.

Die Edelfischpraline schmeckt in der Kombination mit Zitronengras, Zuckerschoten und Paprika auch fantastisch. Und die cremig feine Konsistenz der gebackenen Risotto Kroketten – diese verbargen sich hinter meiner „Rund Reis(e)“ – mit einer feinen Note von Blauschimmelkäse, Tomate und in Kombination mit feingeschnittenem Gemüse, überzeugt mich ebenfalls ab dem ersten Bissen. Vor allem überrascht mich am Ende, dass ich nach meinem Drei-Gang-Weckmenü angenehm satt bin. (Hier hatte ich anfangs meine größten Zweifel)

Eigentlich wäre ich jetzt satt, aber….

Wer kann diesen Desserts schon widerstehen? Zur Auswahl steht ein sahniges Pannacotta mit Haselnussparfait und exotischem Früchteragout oder, für Schokofans wie mich, eine gefüllte Schokoladenkugel mit flüssigem Kern auf Vanilleschaum und Gewürzkirschen. Die Entscheidung fällt diesmal zum Glück etwas leichter und schon bald löffle ich mich begeistert durch mein Schokogläschen. (Dieses Genusserlebnis ist so lecker, dass ich es hier gar nicht ausführlich beschreibe – das müsst ihr selbst probieren!)

DAS Dessert für Schokoliebhaber wie mich. Sogar mit echtem Blattgold

DAS Dessert für Schokoliebhaber wie mich. Sogar mit echtem Blattgold

Genuss im Glas – mein Fazit

Hochwertige regionale Produkte, erstklassige Zubereitung, ein ausgesprochen aufmerksamer Service, sehr herzliche Gastgeber und ein hippes, modernes, preiswertes Konzept, das ich so in dieser Art noch nirgends sonst gesehen habe. Oberstdorf ist mit dem Fetzwerk seit November definitiv um einen neuen Treffpunkt für Einheimische und Urlaubsgäste, für Jung und Alt, zum Essen, Trinken, Lachen und Leben reicher, den ich wärmstens weiterempfehlen kann.

Der Artikel entstand in Kooperation mit der Genusswerkstatt "Das Fetzwerk". 
Mein Dank gilt insbesondere der Agentur FFI für die Vermittlung. 
Der Artikel spiegelt die persönliche Meinung und Geschmack der Autorin wieder.

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